Es ist keineswegs mein Auto, das meine Nerven ruiniert, es ist die Werkstatt: Die Fiat- und Alfa-Niederlassung am Nedderfeld in Hamburg. Bei jedem Besuch schießt mein Adrenalinspiegel in die Höhe. Ich finde die Mitarbeiter hier so serviceorientiert wie die in einer Postfiliale der 70er. Nachdem sie mich schon so oft zur Weißglut gebracht haben, möchte ich exemplarisch meinen letzten Besuch schildern. Achtung, es wird langatmig: Der Zahnriemen muss dringend erneuert werden, sonst droht ein Motorschaden. Darauf hat mich der Chef des Autohauses hingewiesen, als ich mich über einen Neuwagen informiert habe. Ich rufe Mitte Oktober an und bitte um einen Werkstatttermin: Man bietet mir den 27. Oktober an, vielleicht auch den 25. oder. “Oh, nein, geht doch nicht, da müssen wir unsere Inventur vorbereiten.” Ich oute mich als potentielle Neuwagenkäuferin. Die Dame hält kurz den Höhrer zu, und plötzlich ist der 21. Oktober möglich. An diesem Tag erscheine ich um 9.50 Uhr. “Tja, ihr Termin ist ja leider erst um 10.10 Uhr.” Ja und? Ich will doch nur meinen Schlüssel abgeben. Nein, ich soll mit ”meinem” Mechaniker X sprechen, wegen der Kosten. Aber der Chef des Hauses hat mir doch schon gesagt, dass es so um die 680 Euro kostet, evtl. zuzüglich einer neuen Wasserpumpe. ”Da wäre ich mir nicht so sicher”, sagt die Dame hinter dem Tresen. Gut, dann spreche ich eben mit Herrn X. “Ich weiß aber nicht, ob der vorher noch seine Frühstückspause macht”. Ich auch nicht, ich weiß nur, dass ich es eilig habe. Ich bekomme eine Marke für den Kaffee-Automaten – das muss man fairerweise auch erwähnen. Dann nehme ich auf dem etwas zerschlissenen roten Sofa (Ikea?) platz und beobachte das Treiben: Ein Kunden-Paar wartet zehn Minuten an der Ersatzteil-Ausgabe, ein Mechaniker trägt eine Tupperdose durch die Gegend, ein Herr im Anzug schlendert durch die Halle, die Mechaniker sitzen in ihren Büro-Boxen und machen irgend etwas (ja?). Um 10.10 Uhr frage ich noch einmal nach Herrn X. Die Dame hinter dem Tresen ist inzwischen eine andere – die erste macht jetzt vermutlich ihre Frühstückspause. “Ich sage Herrn X mal, dass sie im Hause sind.” Um 10.17 Uhr bequemt er sich zu mir. Ich frage ihn, warum es so umständlich ist, das Auto zur Reparatur abzugeben. Er sagt, weil er eine Unterschrift unter dem Reparaturauftrag braucht. Aha. Ich frage, ob ich das Angebot für die Klimaanlagen-Wartung zu 69 Euro auch ohne Inspektion wahrnehmen kann. Nein, das geht leider nicht. Er weiß nicht, ob er die Zahnriemend-Reparatur an einem Tag schafft, will mich anrufen. Um 12.30 Uhr rufe ich an, will mal nachfragen um meinen Tag zu planen. Ich habe die Tresen-Dame dran: “Kann Herr X noch nicht sagen. Er weiß ja nicht, ob alles klappt.” Aha. Er will mich um 14 Uhr anrufen. Tut er nicht. Um 14.47 Uhr rufe ich wieder an, spreche mit einem gehetzten Mitarbeiter, der ”Moment” in den Hörer stöhnt, bevor ich meine Frage stellen kann. Dann die gute Nachricht: Ja, Herr X schafft es. Ich kann meine Auto heute wieder abholen. Zahlung auf Rechnung ist nicht möglich sagt Herr X., denn das hätte vorher in Frankfurt beantragt werden müssen. Aha. Danke. Ich habe meine Eindrücke einmal jemandem von Alfa geschildert. Der meinte nur ganz trocken: ”Ja, da laufen ziemlich viele Spaziergänger herum”. Mein Eindruck: Da muss mal ein frischer Wind durch fegen.
Dit & Dat . Autohaus . Fiat / Alfa Nedderfeld
23. Oktober 2010 von sahnehaube

