Fünf Tage in der Woche fahre ich immer die gleich lahme Strecke – von Bramfeld über “Faahmsänn” nach “Bille” (Billstedt).
Toll. Da sich mir normalerweise nichts Spektakuläres auf dieser Tour bietet (außer gruseligen Gestalten am Fahmsänner Bahnhof und hunderten Fahrschulfahrzeugen mit verhuschten Fahranfängern am Steuer auf der Legienstrasse) schaltet ein Großteil meines Gehirns schon beim Einsteigen in mein Fahrzeug prompt auf Autopilot.
Dieser Autopilot übernimmt zuverlässig Gas- und Bremspedal – und auch manchmal den Stinkefinger oder den Gruß: “Mann, fahr zu Muddi!”
Was mich auf diesen komatös gesteuerten Fahrten zunehmends erschreckt, ist der Teil meines Gehirns, der sich anscheinend wider Willen selbständig macht – und singt!
Ja – singt. Aber nicht irgendetwas, nein schlimme Sachen! Ich habe ja jetzt so ein modernes Multi-Funktions-Lenkrad und mein rechter Zeigefinger schaltet willenlos darauf herum.. Da habe ich dann plötzlich so Sender wie “Tide” oder “Alster mit Maren und AC” in meiner Fahrerkabine.
Schlimm wird es, wenn ich Songs wie “It’s the FINAL COUNTDOWN” laut mitsinge und – nachdem ich es merke – verstört rechts ranfahre. Oder abrupt verstumme, wenn ich die entsetzten Gesichter meiner neben mir herfahrenden Verkehrsteilnehmer sehe.
Was ist das? Ich nenne es mal laienhaft das “Radio-Unter-ich” = Definition Freud: “es entsteht ein «Unter-Ich», welches die Triebimpulse nicht hemmt, sondern verstärkt”. Klarer Fall. Mein Radio-Unter-Ich spricht anscheinend auch verschiedene Sprachen. Wenn mein Finger zufällig morgens auf die türkisch-sprachige Sendung von “Tide 96″ klickt, sprudelt es aus mir heraus: “oij-nama-schickidim-schickidim.. och-janadänar-aka-dscha-ipsiihn“. Habe weder eine Ahnung was das bedeutet, noch fühle ich mich wirklich sicher, wenn ich diese Lautmalerei laut aus dem offenen Autofenster in Billstedt gröhle…
Mein Radio-Unter-Ich hat bei mir eine persönliche “Hitparade des Schreckens” erzeugt.
Platz drei: “My name is Luca – I live on the second floor” (Suzanne Vega, das geht doch wirklich garnicht)
Platz zwei: “He’s my DES-TINNY” (He’s my destiny it’s hard to see how I could love him more Jennifer Rush – arghhh)
unangefochtener Platz EINS: “Life is Life – nananana-nah” von OPUS (nein, bitte geh weg..)
Mir wird gerade etwas übel. Doch was soll man machen, das Radio-Unter-Ich mag keine CD’s… das lenkt ab, das geht nicht, man muss ständig auf die Lieblingssongs schalten, dann wird die Trance-Fahrt ruckelig. Das Radio-Unter-Ich möchte einfach nur dösig fahren und – irgendetwas doofes, bekanntes singen…

