Die Warnungen in der Presse waren schrecklich: Kältewelle – Eisschock – Schneekatastrophe! Tief “Daisy” soll uns am kommenden Wochenende lahmlegen. Deutschland flippt mal wieder aus.

Kaum haben sich die ersten harmlosen Flocken ihren Weg auf die Erde gebahnt, schippen meine Nachbarn ab 6 Uhr morgens wie die Wahnsinnigen und wecken auch die letzten Tiefschläfer mit ihren kreischend-quietschenden Schneeschiebern auf (fast) freien Gehwegplatten auf (Stichwort: senile Bettflucht).
Der Verkehr ist schleppend, verwirrte Sommerreifenfahrer blockieren die Fahrbahnen. Schon steigt Panik auf: das Streusalz reicht nur noch zwei Wochen!! Auch die Regale der Supermärkte waren heute schon gähnend leer – es scheint, als hätte sich die Mehrheit der Bevölkerung bis Mitte März mit Dosenfleisch, getrockneten Aprikosen und Teelichtern eingedeckt..
Ein Blick nach draußen: Eine hauchdünne Schneeschicht, die jeden Schilehrer zum Lachen bringen würde. Man sucht ja schon verzweifelt nach ungesalzenen Stellen, um die Eisenbeschläge seines Schlittens nicht völlig zu zerstören. 1978 hatten wir so viel Schnee, dass wir sogar “schneefrei” hatten. Jubel! Erfroren und verhungert sind wir damals auch nicht.
Aber nun, Panik. Schneekatastrophe. Ausverkaufte Schneeanzüge und Thermostiefel.
Nur mein Vater freut sich. Seit einigen Monaten nervt er uns mit seinen verschwörerischen Theorien rund ums “Maunder Minimum”, fehlende Sonnenflecken und die “neue Eiszeit”. Er registriert freudig jedes Grad unter Null.
Ich habe jedenfalls heute alle wattierten Kleidungsstücke die zu klein waren, gewinnbringend bei ebay verkauft – auch eine Geschäftsidee …


zum Piepen!