Ich komme gerade aus dem Hansa Theater. Neues Programm, neue Künstler, neuer Conferencier.
Letzterer heißt heute Heinrich Pachl, ist ein Kölner Kabarettist und wahrlich nicht auf den Mund gefallen. Pachl redet bis die Unterkiefer glühen, frei nach dem Motto “viel hilft viel”. Sein Programm ist ausschließlich politisch ausgerichtet, manchmal etwas gewöhnungsbedürftig. Sarkozy heißt bei ihm übersetzt “Sackgesicht” (tataa, tataa) und zu seiner Heimatstadt bringt er den Bütten-Kalauer “die einzige Stadt, wo man spricht, was man trinkt”. Naja. Kölle-Alaaf. Ich will lieber wieder Tukur.

Nun zum neuen Programm in kurzen Sätzen:
Serge Huercio ist ein kleiner witziger Fahrrad-Akrobat, der durch seine schwulettenhafte Fahrweise mit “Po raus” besticht und die Damen im Publikum zum Kreischen bringt. Ansonsten: schon besser gesehen. Note: 3+
Alona Zhuravel turnt in einem Klettergerüst herum, auffallend hier die körperverletzend laute Kreisch-Musik im absoluten Grenzbereich des Erlaubten. Meine Hoffnung, dass mein Gerstenkorn im Auge sich durch die Schallwellen atomisiert, erweist sich leider als hinfällig. Aber es sibscht schon ein bißchen… Note: 3+
Duo Vladen – meiner Meinung nach der Flop des Abends. Zwei Menschen in einem Ohrensessel zusammengeklebt, die sich Ringe aus dem Kinderzauberkasten über die Füße stülpen. Nee – das war nix. Note: 4-
Zahir Circo – JAAA da geht es ab! Die Jungs standen schon im Vorraum und haben die Gäste in ihrem tollen 20er Jahre Outfit angelabert. Die Nummer ist super – Slapstick-Akrobatik im Stil von Dick und Doof. Note: 1-
Dann die Pause. Pachl hält auch endlich die Klappe, seine Nonstop Moderation geht etwas auf die Nerven.
Blick auf das kulinarische Angebot: Der Fischteller kostet immer noch € 19,50 ist aber meiner Meinung nach großzügiger als beim letzten Mal bemessen. Der Käseteller für € 17,50 wird flott serviert, er ist reichlich bestückt mit Weich- und Hartkäsen, ZWEI großen Brötchen und einer köstlichen Käsecreme. Da hat sich was getan bei Kowalke. War es unsere Kritik im ersten Bericht?
Dann die zweite Runde:
Maxim Krieger ist an der Reihe, er turnt auf Rollen und Brettern in die Höhe. Die ganz große Nummer kann ich nur erahnen, da ich in Reihe 14 sitze und leider nur seine Unterschenkel sehen kann… Note: 2
Aurelia Cats, eine Akrobatin im Leo-Dress, mehrfach ausgezeichnet. Leider unterscheidet sie sich nicht sehr von Nummer zwei, hinter mir wird gemunkelt: “ist das nicht die Gleiche??” Nein ist sie nicht. Die Trapeznummer ist nicht sehr spektakulär, aber immerhin ist die Musik nicht ganz so schrecklich. Note: 2-
Dann das HIGHLIGHT des Abends: DER BAUCHREDNER! George Schlick wird als multiple Persönlichkeit angekündigt und man hat wahrlich das Gefühl: dieser Mann ist nie alleine… Mit sprechenden Taschentüchern, Ritterhelmen und einem Frosch zieht er das Publikum in seinen Bann. Höhepunkt des Auftritts: zwei Personen aus dem Publikum werden auf der Bühne zu seinen Marionetten. Einmal am Arm ziehen = einmal den Mund aufmachen. Beide kapieren ihre Rolle sofort und es ist wirklich köstlich anzusehen, wie Schlicks Gehilfe zu einem hölzernen Gesellen der Ausburger Puppenkiste degradiert wird. Gut mitgespielt!
Note: 1++
Viktor Kee, der Abschluss-Gig, ist nicht der Rede wert. Er ist Highspeed-Jongleur, aber vom Hocker zieht das keinen mehr. Note: 3-
Beim obligatorischen WC-Besuch (eine Dame vor mir steckt fest – sie hat das “bitte rechts gehen” in der Drehtür nicht gelesen) dann ein erneuter Plausch mit der WC-Dame – Frau Grzonka aus dem Abendblatt-Bericht “Am stillen Ort” wird erkannt und ist nicht sehr erfreut: Das Abendblatt berichtete, sie sei seit zwanzig Jahren Klofrau, dabei hat sie doch früher in der Küche des Hansa-Theaters gekocht! Liebes Abendblatt, nächstes Mal beim Fishkopp nachfragen! (Siehe unser Bericht vom Hansa-Theater, die I.)
Also liebe Leute – hingehen ! Denn wer Gängeviertel besetzen kann, sollte auch dieses alte Stück Geschichte Hamburgs unterstützen.

