Ich komme mal wieder von einem “Elternabend”. Nur mit Mühe konnte ich mich zurückhalten, meinen Kopf auf den Schülertisch zu legen und einfach sanft einzuschlafen. Seit Jahren immer dieselbe Prozedur: Eine Themenliste wird Punkt für Punkt abgearbeitet und es wird sich mit schöner Regelmäßigkeit an Nebensächlichkeiten festgebissen.
Sechstklässler, die auf Klassenreise gehen. Überbesorgte Eltern, die eine halbe Stunde darüber referieren, was denn nun mitgenommen werden soll. “Gehen Badelatschen mit Profil oder sollen lieber Hausschuhe mit glatten Sohlen mitgenommen werden?” Nachdem dieser Punkt dann ausgiebig erörtert wurde, der nächste brennende Punkt: “Wenn nur Mineralwasser mitgenommen wird, wird mein Sohn wild!” Eine übergewichtige Mutti mit Plastikschmuck MÖCHTE dass für ihren Sohn Cola eingepackt wird. Entrüstetes Aufschreien und böse Blicke von dürren 40kg Müsli-Müttern. Eine weitere halbe Stunde Diskussion. Es wird vorgeschlagen, eine Ernährungsberaterin einzuladen.
Wichtige Themen wie: welche neuen Lehrer oder Lehrpläne gibt es?, fallen dann aus Zeitgründen leider weg.
Da wird lieber noch einmal das Lieblingsthema der Klassenlehrerin aufgegriffen: Streitschlichtungsseminar. Oder alternativ, welche erzieherischen Maßnahmen ergriffen werden könnten, falls ein Kind die Mitteilungsmappe (“der direkte Kanal zwischen Lehrerschaft und Erziehungsberechtigten”) vergessen hat. Kurz brodelt der Saal – es entsteht so etwas wie “Streit”. Man ist sich uneinig, ob Kinder dann einfach nach Hause geschickt werden dürfen, um die brisante Mappe zu holen.
Meine vorbereitete Frage, wann denn endlich der Kakaoautomat repariert wird, hebe ich mir für’s nächste Mal auf.

